Über Rübengeister (Riabagoaschter)

Rübengeister sind im oberen Neckarraum ein Kinderbrauch, aus frisch geernteten Futterrüben allerlei Spukgebilde zu schnitzen und diese im Inneren durch eine Kerze erleuchteten Schreckgesichter abends an die Fenster zu stellen oder durch die Strassen zu tragen.

In diesen Kobolden und feurig drohenden Erdgeistern ist ein Stück uralten Volksglaubens lebendig, wie er sich auch in den Schemen und Larven äußert.

Die Rübengeister reihen sich ein in die verschiedenen regionalen Licht-, Wärme-

und Erntedank Traditionen.

Die genauen Ursprünge des Brauches sind nicht eindeutig geklärt.

Die Arbeit des Rübenschnitzens beginnt schon bei der Auswahl des Rübenkopfes. Beulen, Warzen, Höcker und Verwurzelungen werden in die Formgebung mit einbezogen. Von der Wahl der Wandungsdicke hängt es ab, ob das Licht nur durch die Öffnungen wie Mund, Nase und Augen fällt oder ob das ganze Gesicht dämonisch zu leuchten beginnt.

Mit Halloween hat das Rübengeisterschnitzen entgegen anderweitigen Meinungen aber wenig gemeinsam.

 

Wie der Göllsdorfer Riabagoaschter Umzug entstand

 

„Wenn jed´ra Riab a Liacht ufgoht:

No isch d´Kirbe do.“

 

So endet der Refrain des Riabagoaschter Liades, das gesungen wird, wenn die bäuerlichen Lichtkobolde zu Hunderten von Kindern getragen mit Gabeln an Stangen befestigt am Saukirbe Samstag durch Göllsdorf ziehen.

„Wenn jed´ra Riab a Liacht ufgoht“, das meint vordergründig das Kerzenlicht, welches im Riabagoascht entzündet wird. Doch im Grunde genommen ist es eine Anspielung auf den damaligen Gemeinderat. Verstehbar wird dies, wenn man die Entstehungsgeschichte des Riabagoaschter Umzugs kennt. Eine denkwürdige Geschichte, die aus heutiger Sicht etwas Amüsantes hat.

Zuständig für die Saukirbe war der Göllsdorfer Gemeinderat, der durch „sachkundige Bürger“ zum Saukirbeausschuss erweitert wurde. In diesen Saukirbeausschuss wurde ich hineingewählt. Im Jahre 1956 kam im Gemeinderat der Wunsch auf, die Saukirbe schon am Samstag zu beginnen. Dafür suchte man eine zugkräftige Attraktion. Es dauerte nicht lange und sie war gefunden:

Ein Lampionumzug für die Kinder! Mir gefiel der Vorschlag keineswegs und ich sprach mich als Einziger dagegen aus. Dabei versuchte ich dem Gremium klar zu machen, dass der Lampionumzug schon durch Sankt Martin in Beschlag genommen ist und Lampions ohnehin nicht zur Saukirbe passen. Als ich statt Lampions Riabagoaschter ins Gespräch brachte, hatte ich das ganze Gremium gegen mich: „Altmodisch“, „hat es noch nie gegeben“, „lassen sich nicht tragen“, „lassen sich nicht befestigen“, „für die Kinder zu schwer“, „die Lichter gehen aus“, „niemand macht sich die Arbeit“, „heutige Kinder wollen das nicht“,.

Es brauchte mehrere Sitzungen um all diese Einwände und andere mit zunehmender Hilfe aus dem Gremium zu entschärfen. Schließlich blieb einzig noch das technische Problem. Es fand die Lösung: Eugen Bader (EUBAMA). Eine Gabel am Stab. Der Weg war frei, um über den Riabagoaschter Umzug abzustimmen. Er wurde einstimmig beschlossen. Was noch fehlte, war ein Riabagoaschter Liad. Dazu brauchte es fast eine Nacht und sehr viel Kaffee von meiner Frau, mit Einfällen, Tasse um Tasse frisch serviert. „Und wenn dr Mo am Himmel stoht, fast zum Greifa noh“, das war das letzte Bild.

Der Schlussrefrain war schon fertig.

Für mich war es besonders erfreulich, wie schnell die Schüler der damaligen Volksschule in Göllsdorf, die Bilder des Textes blickten: „Goaschterbah“, „Hexabruat g´füllt mit Wuat“, „O je, se lachet uff da Zäh!“ und mit welcher Begeisterung sie das Riabagoaschter Liad sangen, das von Josef Sohm, einem namhaften Rottweiler Komponisten, vertont worden war. Dass die Uraufführung des Riabagoaschter Umzugs eingeschlagen hat, ist bekannt. Heute ist der Riabagoaschter Umzug das herausragende Ereignis der Göllsdorfer Saukirbe und fester Bestandteil des Kirbebrauchtums in Baden Württemberg. In diesem Zusammenhang wurde er auch im Fernsehen vorgestellt. Inzwischen wird auch im Land, wie etwa in Dürmettingen in Oberschwaben, der Versuch gemacht ihn zu kopieren.

 

Egon Rieble 1978

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